2012 Stromboli, unter der Strand, oben der Vulkan

Stromboli Trekking - Unten der Strand, oben der Vulkan!

Süditalien ist mein bevorzugtes Italien, insbesondere weil da die Gastronomie noch nicht so verkommen ist. Und das fängt in etwa ab Neapel an, Apulien, Kalabrien über die Meerenge, die Sizilien vpm Stiefel trennt. Und Sizilien auch super, insbesondere Palermo und natürlich die äolischen Inseln, von denen mir Stromboli am besten gefällt. Einfach ein magisches Eiland mit diesem aktiven, ständig Feuer und Rauch speienden  Vulkan.

Auf diese Insel kommt man natürlich nur mit dem Boot. Von „Nord“ gen Süd gibt es die erste Verbindung über Nacht ab Neapel, dann ein ganzes Stück weiter südlich von Tropea aus – auch ein wunderschönes Örtchen, von dem aus man Stromboli bereits verheißungsvoll am Horizont sieht. Und dann, sollte es vorziehen, nach Sizilien überzusetzen, von Milazzo aus, wobei das Schiff vorher an drei Inseln Halt macht: Vulcano, Lipari und Panarea.

Wow, und dann ragt da endlich diese breite, dreieckige Silluette aus dem Meer, gar mit Rauchschwaden über der Spitze. Es überkommt einen sofort ein archaisches Gefühl, als würde man eintreten in eine Art Zeitglocke.

Am Hafen angelegt macht man sich normalerweise zu Fuß auf den Weg. Autos fahren nur ein Stück weit unten am Meer entlang zu den wenigen Hotels, die direkt am Ufer liegen. Die Gassen, die bergauf führen, sind so schmal, dass da nur elektrische Golf-Karren oder diese dreirädrigen Piaggos passieren können. Alle Häuser und die Mauern, die die Wege besäumen, sind weiß getüncht, ein schöner Kontrast zu den vielen überall rankenden rosaroten Bougainvilleas und dem satten Grün der Ginsterbüsche und sonstiger niedrig wachsender Pflanzen.

Viel knorrige Felsküste, und es gibt nicht allzu viele Strände, all diese mit feinem, schwarzem Vulkansand. Der Hauptort heißt natürlich Stromboli (ca. 600 Einwohner). Etwas höher hinauf steigend kommt man zum Kirchplatz, wo die fantastische Bar Ingrid zu finden ist. „Ingrid“ wegen Ingrid Bergmann, die hier mit Roberto Rosselini den ebenso benannten Film „Stromboli“ drehte – ein sehr düsteres Werk. Von da hat man – ein Frühstück oder sonstige super schmackhafte Sauereien und Süßigkeiten einnehmend - einen faszinierenden Blick aufs Meer und auf den Strombolicchio. Das ist ein vor Urzeiten erloschener, bizarrer Vulkanschlot, etwa 1,5km von der Küste entfernt, dessen höchster Punkt anmutet wie ein Pferdekopf. Bootsausflug empfohlen!

Auf der anderen Inselseite gibt es noch das kleine Dorf Ginostra, welches man praktisch nur mit dem Boot erreichen kann – ein schöner Ausflug – Zeitglocke total!

Außer dem sehr speziellen Ambiente hat die Insel nichts weiter Spezielles zu bieten. Man kann baden, gut essen und trinken, und womöglich nach oben den beschwerlichen Aufstieg zum Vulkan unternehmen, näheres hier in meinem Trip-Advisor-Bericht: (Ich keineswegs sportlich durchtrainiert ...)

Stromboli Trekking - Unten der Strand, oben der Vulkan!

Vorab: 10km Weg, 900m bergauf, Zeit 3 Stunden! Nicht sportlich durchtrainiert? Lasst es besser bleiben!

Und genau diese 10km Weges werden von den Trekkingagenturen, bei denen man am Kirchplatz obligatorisch die Tour buchen muss, sehr sanft verschwiegen. Für 10km horizontalen Weg braucht man schon 2 Stunden strammen Schrittes. Aber dasselbe als Trekking-Tour bergauf, 900m Höhenunterschied!?

Trekking? Was ist das überhaupt für ein Wort, was es vorher nicht gab? "Bergwandern" mag der Sache vielleicht nahekommen, aber das trifft genau NICHT den Punkt. Trekking, das ist Gewaltwandern. Und unter diesen "Trekkern" befindet, sich leider ein Haufen ganz übler Leute, emotions- und freudlose Kampfmaschinen, die in genau vorgebuchten Urlauben eine vorgezeichnete Reihe von Gipfeln, Schritt um Schritt hinauf stapfen, sturen Schrittes, ohne sich groß dabei umzuschauen. Und genauso sturen Schrittes stapfen sie auch wieder bergab - all dies zum Zwecke, jene Ziele von ihrer Liste streichen zu können! Die Streichung dient todsicher ebenfalls dazu, im Bekanntenkreis angeben zu können.

Einer dieser Gewaltwanderer war alsbald vom Bergführer dazu beordert worden, als letzter hinter mir zu bleiben, um mein allzu heftiges Zurückfallen zu verhindern. Die letzten 150 Meter hat der mich dann am Arsch nach oben geschoben. Dabei hatte sich schon vorher mehrfach in mir der Wunsch nach der guten Fee aufgebaut. Mich bitte sofort zurück beamen nach unten ins Quartier! Dabei erwähnenswert: Mindestens 5 Leute inklusive Paloma mussten schon auf halber Strecke aufgeben und sind mit einem eigens dafür vorgesehenen Hilfsführer zurück gezockelt!

Und das Resultat stand auch nicht wirklich in angemessener Relation zu dieser ungeheuren Strapaze! Da hat man das völlig nass geschwitzte Hemd gewechselt, steht im heftigen Sandsturm völlig ausgelaugt 100 Meter oberhalb der Krater und schaut auf einen Lava-Tiegel hinab, der immer so bleibt, wie er ist, rund und orangerot changierend. Von den anderen Kratern sieht man nur alle zehn Minuten etwas, nämlich eben dann, wenn er eine Eruption "hat", also einen glühendes Funkenregen aus sich heraus schießt und sprüht...

Ich kannte den Aufstieg noch von meinem allerersten Stromboli-Aufenthalt. Anstrengende Sache schon 1999, aber ich bin entgegen den schon damals bestehenden Verboten auf eigene Faust losgezogen und nach guten vier Stunden - meinem eigenen Rythmus folgend - knapp unterhalb des Gipfels angekommen. Urplötzlich das Geräusch der stapfenden Schritte einer dieser Trekkinggruppen, deren Führer mir sogleich untersagte, hier alleine weiter zu gehen. Ok, ok, ich mich widerwillig der Gruppe angeschlossen. „Die 56.000 Lire (heute ca. 30 Euro) zahle ich Dir morgen." Also hinauf, die letzten Meter, Eruptionen gucken! Eigentlich hatte ich sogar vorgehabt, oben zu übernachten, es huschten da jedoch kleinere Ratten wie auch unappetitliche größere Insekten herum, sodass ich mich sogleich mit der Trekkinggruppe wieder zum Abstieg begab, der wesentlich angenehmer vonstatten ging. Einige hundert Meter Höhendifferenz watet man umgeben von hohem Schillfgras relativ schnell durch weichen, feinen Sand, was wunderbar leicht geht, weil bergab! Dann - wieder auf festerem Boden - fängt es  an zu nerven, weil man absteigend ständig der Schwerkraft entgegenwirken muss: am Ende wehe Füße mit großen Blutblasen!

Resümmee: Funkenregen besser weiter unten vom Observatorium oder gar per nächtlicher Bootstour vom Wasser aus gucken! Ich habe das einmal  vom Schiff aus Neapel kommend erlebt, wie sich die Lava wie eine glühende Currywurst die sogenannte Sciara del Fueco hinab ins Meer rollte, absolut faszinierend. Aber generell bleibt das Risiko, dass der verdammte Vulkan wie bei diesem Aufstieg nicht so heftig spucken mochte, wie man es hätte erwarten könnte.

Ach ja, die 56.000 Lire habe ich dann am nächsten Vormittag NICHT bezahlt! Trekking-Group am Arsch!